Band 106: Es geschah in einer Regennacht

Band 106: Es geschah in einer Regennacht
Art:
Verlag:
Erscheinungstermin:
Preise bei Erscheinen:
ISBN:
Gebundenes Buch · 192 Seiten · 12.2 x 18.8 cm
cbj
28. August 2006
€ 7,50 [D] | € 7,80 [A] | CHF 13,90 (UVP)
978-3-570-13167-1
Verwandte TKKG-Produkte

Leseprobe

Illustration von Seite 13.
»Tim vermeinte, das Museum stürze über ihm ein.«

Für die Nacht war Regen angesagt. Und der Abend,
dachte Tim, bereitet sich darauf vor. Grauer Himmel,Wolken
mit Hängebäuchen. Es nieselt auch schon.Auf Gabys
Gesicht versammeln sich winzige Perlen.
Lächelnd sah er seine Freundin an, während sie Hand
in Hand über die Museums-Meile gingen. Amtlich hieß
die Straße Graf-Otto-von-Lobbe-Ring, aber wegen der
beiden Museen hatte sich die Volksmund-Bezeichnung
durchgesetzt.
»Weshalb grinst du?«, fragte Gaby. Gleichzeitig bückte
sie sich und ließ Oskar von der Leine. Gabys schwarzer
Cockerspaniel hatte schon die ganze Zeit mit eingestemmten
Pfoten gezerrt.
»Du hast winzige Regentropfen auf dem Gesicht.Sehen
aus wie Perlen.«
Oskar wetzte los und verschwand in der anbrechenden
Dunkelheit. Die Straße war leer. Keine Autos. Keine
Leute.
»Sind aber leider nicht echt«, lachte Gaby. »Ich kann die
Perlen wegwischen. Oder sie trocknen. Dann stehe ich da
ohne Schmuck.Vielleicht sollte ich mir Nase und Lippen
piercen und...«

Illustration von Seite 19.
»Tim zog die kleine Maglite-Taschenlampe aus einer Innentasche seiner Wetterjacke.«

»Untersteh dich!« Tim grinste. »An deinem Gesicht
lässt sich nichts mehr verbessern. He, wo ist Oskar?«
Sie hatten das Landesmuseum erreicht, einen weltweit
berühmten Hort moderner Kunst. Jetzt war natürlich geschlossen,
und das mächtige Gebäude – sechs Stockwerke
hoch und doppelt so breit – zeigte nur den matten Schein
nächtlicher Notbeleuchtung hinter hohen Fenstern. Neben
dem Gebäude führte eine breite Zufahrt zur Rück-
front.Tim, der auch im Dunkeln gut sieht, gewahrte Baumaterial
an der hinteren Gebäudeecke. Außerdem war
ein Baugerüst an der Hauswand hochgewachsen. Bei Tage
wurde dort renoviert. Die Handwerker hatten anscheinend
ihre Brotzeitabfälle nicht entsorgt, sondern einfach
weggeworfen.
Tim sah jedenfalls, wie Oskar in Papier und Styproporschachteln
wühlte und irgendwas fraß.
»Wenn er einen spitzen Knochen erwischt, kotzt er dir
nachher wieder den Teppich voll, Pfote. Ich hole ihn.«
»Hm.« Gaby gab ihm die Leine und Tim lief durch die
Zufahrt.
Im selben Moment wich Oskar hinter die Hausecke
zurück. Ob’s Zufall war oder er ungestört fressen wollte,
wird sich nie feststellen lassen. Aber sein Verhalten hatte
eine fatale Folge für Tim, der nur knapp einer schweren
Kopfverletzung entging. Damit ergab sich der Einstieg für
TKKG in ein mörderisches Geschehen.
»Oskar!« Tim rief und pfiff. Dann bog er ebenfalls um
die Ecke, stand jetzt dicht an der Rückfront und damit an
dem Baugerüst.
Oskar war nur drei Schritte entfernt und zermalmte mit
seinen Jagdhundzähnen einen Knochen, der vermutlich
viel Mark enthielt. Oskar schmatzte. Regen nieselte. Tim
bückte sich zu dem Vierbeiner und suchte nach der Öse
am Halsband, um den Karabinerhaken festzumachen.
Über Tim – irgendwo in luftiger Höhe – war ein Geräusch.
Metall klirrte. Ein leiser Fluch. Ein »Pst!«
Noch während sich Tim aufrichtete, alarmiert bis in die
Haarspitzen, wandte er den Blick nach oben. Aber es war
schon zu spät. Er sah noch, dass etwas auf ihn zusauste,
zielgenau auf ihn. Dann traf ihn die schwere, wörterbuch-
dicke Holzbohle auf den oberen Rücken, auf linke Schulter
und Nacken.